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Dissertation: Carola Podlich


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Dissertation: Carola Podlich

Aus dem Institut für Schulsport und Schulentwicklung der Deutschen Sporthochschule Köln Geschäftsführender Leiter: Univ.- Prof. Dr. Claus Buhren

Selbstgewolltes Leisten. Kinder als Konstrukteure ihres Selbst über selbstbestimmte leistungsthematische Situationen.

von der Deutschen Sporthochschule Köln zur Erlangung des akademischen Grades Doktorin der Sportwissenschaft genehmigte Dissertation vorgelegt von

Carola Podlich

aus Haan (Rheinland) Köln 2006

Zusammenfassung: Im Verlauf seines Lebens begegnet der Mensch vielfältigen Entwicklungsaufgaben, die er in möglichst konstruktiver Form bearbeiten soll. Bereits Kinder stehen unterschiedlichsten Anforderungen gegenüber, die zum Teil mit Hilfe Erwachsener, mit Hilfe Gleichaltriger und nicht zuletzt in eigener Regie bewältigt werden wollen. Der Fokus der dieser Dissertation zugrunde liegenden Studie liegt auf Entwicklungsaufgaben, mit denen Kinder sich in eigener Regie auseinandersetzen, eingebettet in eine Gruppe Gleichaltriger, die verschiedene Prozesse der Entwicklung direkt und indirekt begleitet. Der Begriff der Entwicklung wird dabei in einen ganzheitlichen Zusammenhang gestellt und bezieht neben sozialen und kognitiven auch motorische, emotionale und motivationale Aspekte ein.

Die Gruppe der Forschungsteilnehmer setzt sich aus Jungen im Alter zwischen acht und zwölf Jahren zusammen, die sich regelmäßig auf dem Spielplatz einer Großstadt treffen und ihre freie Zeit mit selbstorganisierten sportlichen Bewegungsaktivitäten verbringen. Die Jungen greifen diese Art der Freizeitgestaltung freiwillig auf, wobei jeden Jungen ganz eigene Bedürfnisse zum fast täglichen Gang auf den Spielplatz verleiten. Die sportlichen Bewegungsaktivitäten im Kreise der Gleichaltrigen stellen den einzelnen dabei vor vielfältige Anforderungen an die eigene Leistungsfähigkeit. Nicht nur körperliche und motorische Anforderungen an das Selbst wollen, auch zeitliche und organisatorische Anforderungen müssen bewältigt werden, Spielregeln und sozial verträgliche Regelungen verstanden und anerkannt werden. Darüber hinaus sind die Jungen in diesen selbstgesteuerten lern- und leistungsthematischen Situationen aufgefordert, Prozesse des Lernens und Lehrens nach eigenen Methoden zu gestalten. Nicht zuletzt stellt die Zugehörigkeit zu einer Gruppe von Gleichaltrigen jeden einzelnen Jungen vor große Herausforderungen, wie auch die darin zu bewältigende Entwicklung der eigenen Persönlichkeit immer wieder eine große Herausforderung darstellt.

Auf der theoretischen Grundlage von Symbolischem Interaktionismus und Sozialem Konstruktivismus werden nach dem Verfahren der Triangulation von Methoden Daten erhoben, zu wissenschaftlichen Quellentexten aufbereitet und interpretiert, die aufgrund ihrer perspektivischen Vielfalt ein differenziertes Bild der ablaufenden Entwicklungsprozesse in der Gruppe der Jungen auf dem Spielplatz zulassen. Beobachtungen auf der Basis von Beobachtungsprotokollen und Videografie, verschiedene Interviewsituationen in der Gruppe und mit einzelnen Untersuchungsteilnehmern und ein neues, am Untersuchungsgegenstand und den Teilnehmern orientiertes Verfahren, das die Bezeichnung videobasierte kommunikative Selbstrekonstruktion erhalten hat, umfassen die Kombination von Methoden.

Bereits im Verlauf der Studie wird deutlich, dass die Jungen in ihrer Freizeit zu großen Anteilen an der Entwicklung ihres Selbst aktiv teilhaben. Gelingen kann ihnen diese Aufgabe durch den Erfahrungs- und Handlungsspielraum, der ihnen mit den Treffen auf dem Spielplatz zur Verfügung steht. Hier bewältigen sie selbstständig Entwicklungsaufgaben, die in ihrer Bedeutsamkeit mindestens auf gleicher Ebene neben Anforderungen in Familie, Schule oder weiteren institutionellen Zusammenhängen anzusiedeln sind.

Abstract: During our lives we are required to master problems having to do with our development in the most constructive manner possible. Children must master a variety of demands made upon them in the course of their development. They may be helped through these challenges by interacting with adults or members of their peer group, or they may solve these problems on their own. This dissertation is based on a study done on children of similar age who were problem solving in a group situation. The group was accompanied through differing developmental processes, both directly and indirectly. Here the term development is used in the holistic sense, encompassing social and cognitive as well as emotional and motivational aspects and the development of motor skills.

The group used for the study was comprised of males between the ages of eight and twelve years. The boys met regularly in their free time on a playground in a large city to engage in self-organized sports activities. Each boy took part in these activities on his own initiative on an almost daily basis and each had their own individual motivation for doing so. The sports activities undertaken by the group challenged each individual boy's physical ability. They not only had to meet the physical demands made upon them but were also expected to fulfill the time and organizational requirements of the group and to understand and accept the rules of participation and social interaction. Moreover, through this self-regulated learning the boys developed their own methods for learning and teaching. Membership in a group of like-aged boys was a great challenge to the development of their individual personalities.

Based on the theories of Symbolic Interaction and Social Constructivism, data was collected through methodological triangulation and then interpreted and written up for use as scientific source information, in as much as the variety of perspectives displayed by the members of the group allowed. Observations were made based on written and video protocols, interviews with individuals and with the group, and using a new method, which is termed video-based communicative self-reconstruction.

During the study it became evident that the boys were using their free time for active self development. The playground provided a meeting place where they could gain experience and practice their physical and social interaction. This environment was found to be at least as significant for promoting individual development as family, school or other social environments.

19.10.2017 - 03:17